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Designer für Lebenskultur

Die CDs des Jahres 2009.

21. February 2010 Von: Sandro Kategorie: Hören 2 Kommentare →

Höchste Zeit, mit dem Musikjahr 2009 abzurechnen. Darum hier kurz und schmerzlos meine 10 Platten des Jahres:

  1. Gossip: Music for men
    Mit seinem letzten Album «Standing in the way of control» (und den Remixes des gleichnamigen Hits von Soulwax sowie des Überkrachers «Listen up!») hatte das Trio den Schritt aus der Garage zur emanzipierten Rockpopband voll- und die Tanzflächen zum Brodeln gebracht. Nun hat es Starproduzent Rick Rubin noch ein wenig schärfer gefeilt und seine aktuellen Stärken voll ausgespielt: Discobass, schneidende Gitarren, trockenes Schlagzeug, Keyboardriffs und die Stimme von Pfundsfrau Beth Ditto, die über viel Soul verfügt, ohne Soul zu sein. Und der Riesenhit «Heavy cross» ist noch bei Weitem nicht der beste Song (man höre «Love long distance» oder «Four letter word»). To be continued… please!
  2. Noisettes: Wild young hearts
    Das Londoner Trio sprengt sämtliche Grenzen von Pop, Soul und Indierock. Und verfügt mit seinem Pulverfass von Sängerin – Shingai Shoniva – über einen äusserst charmanten Mittelpunkt auf der Bühne. Deren Stimme erinnert in ruhigen Momenten an Billie Holiday oder wie in «Never forget you» auch schon mal an Amy Winehouse. Dazwischen wird aber auch gerockt («So complicated») oder auf 80er- und Elektro-Party gemacht («Saturday night»). Ich raufe mir immer noch die Haare, weil ich den (offenbar fantastischen) Gratis-Auftritt (!!!) im Jazz Café des letztjährigen Montreux Jazz Festival verpasst habe.
  3. Muse: The Resistance
    Das fünfte Werk der britischen Muse setzt da an, wo der Vorgänger «Black holes and revelations» aufgehört hat: Sänger Matthew Bellamy, Bassist Christopher Wolstenholme und Schlagzeuger Dominic Howard treiben ihre clevere Mischung aus Alternative-Rock, New Prog, Electronica und Art-Rock auf die Spitze, und zwar mit dem bandtypischen Bombast. Man spürt in dieser Rock-Oper förmlich den Geist von Queen umherwandeln (im Gegensatz zu dem, was seine ehemaligen Bandkollegen in den letzten Jahren abgeliefert haben, dürfte sich Freddie-selig hierbei nicht einmal im Grab umdrehen müssen…). Damit haben sie (endlich und wohl endgültig) auch mir den Ärmel reingezogen – ich freue mich riesig auf das Konzert im Berner Wankdorf.
  4. WhoMadeWho: The Plot
    Völlig abgefahrener, tanzbarer Mix aus 60er Psychedelic Rock, 70er Disco, 80er Synthie-Pop und 90er Electronica des skandinavischen Trios (siehe auch Wellness für urbane Nachtschwarmer). Diese Rundumversorgung aus der punkfunkigen Neo-Disco-Ecke ist ein Wohlfühlpaket für den urbanen Nachtschwärmer, das noch lange für viel Freude sorgen dürfte. Hoffentlich auch schon bald wieder live in der Schweiz zu erleben…
  5. Ladyhawke: dito
    Obwohl bereits im Jahre 2008 erschienen, habe ich die Neuseeländerin erst 2009 entdeckt (shame on me…). Dann liefen mir ihre beiden Heuler «Paris is burning» (die Hilton oder die Stadt? Hmm…) und «My delirium» aber gleich wochenlang nach –  Ladyhawke schafft es deshalb stellvertretend für all die neuen 80ies-Indie-Electro-Pop-Girlies wie La Roux, Little Boots oder Paloma Faith in meine Top Ten.
  6. Editors: In this light & on this evening
    80er-Synthie-Sound statt Gruftie-Gitarren,
    produziert von Flood: Die Editors liefern auf ihrem dritten Album gleich reihenweise Hymnen des Retro-New-Wave ab. Und Tom Smiths grandiose Stimme begleitet stoische Synthesizers, pochende Beats und melancholische Melodien. Eine vielversprechende Weiterentwicklung, wo man Blade-Runner-Soundtrack, Depeche Mode, New Order und/oder Ultravox raushören kann. Abends, im richtigen Licht…
  7. Mastodon: Crack the skye
    Lass dich in die Unendlichkeit des Universums schiessen! Die Metall-Progressoren aus Atlanta/Georgia haben mit ihrem fünften Album den Olymp (ihres Genres) erreicht. Wie andere vor ihnen (z.B. QUOTSA mit «Lullabies to paralyze» oder Muse mit «Black holes and revelations») hat es diese unglaublich talentierte Band mit den irrwitzigen Ideen und dem grandiosen Spielvermögen geschafft, ihr Können auf diesem Konzeptalbum zum Thema «Luft» auf den Punkt zu bringen. Ihre explosive Mischung aus Progrock und Metal mit Hang zu längeren Instrumentalpassagen begeistert je länger je mehr Anhänger harter Musik. Und welch ein Konzert am 5. Februar 2010 im FriSon… Boah! Psychedelische Animationen mit Motiven des CD-Booklets im Hintergrund, das nukleare Trommelfeuer, wo es Gitarrenriffs regnet, im Zentrum und vorne eine Lautstärke, dass einem die Ohren flattern. Aber man höre (und staune): alles in 1A-Soundqualität abgemischt. Eine Offenbarung!
  8. Pearl Jam: Backspacer
    Dass Pearl Jam eine fantastische Liveband sind, ist hinlänglich bekannt (ich erinnere mich nur zu gerne an 2006, wo Pearl Jam der miserablen Soundqualität in der Berner Allmend trotzten, ein begeisterndes Konzert hinlegten und am Schluss einen zweiten Zugabenblock bei Volllicht zum Besten gaben!). Dass sie aber auch auf einem Album nochmals zu Hochform auflaufen, hätte ich mir nicht träumen lassen: nach den letzten eher verkrampft wirkenden Werken wuchsen die neuen Songs (u.a. «Got some», «The fixer» oder «Just breathe», das auch von Eddie Vedders tollem Soundtrack zum Film «Into the wild» stammen könnte) langsam aber stetig in den Himmel, und tun dies noch. Pearl Jam machen und haben endlich wieder Spass!
  9. Eskimo Joe: Inshalla
    Seit ihrem Debüt-Album «Girl» sind Eskimo Joe die Helden der australischen Indie-Szene. Die Folge war der Durchbruch mit dem nächsten Album und Topplatzierungen in den australischen Charts. Mit dem inzwischen vierten Album «Inshalla» dürften nun auch Europa und die Schweiz erobert werden. Eskimo Joe spielten am Gurtenfestival und gaben ihre einzige Schweizer Clubshow im Bierhübeli. Immer wieder erfrischend zu sehen (und zu hören), wie australische Bands – gestählt von Hunderten von Konzerten in den dortigen Pubs – auf der Bühne richtige Musik von richtigen Musikern in sympathischer Art und Weise rüberbringen.
  10. Empire Of The Sun: Walking on a dream
    Für mich DAS Pop-Album des Jahres: Ozeanfrisches Gute-Laune-Feeling verströmend erinnert das Duo mit seinen sphärischen Klängen an die Indie-Lieblinge des letzten Jahres: MGMT. Und mit der Mid-Tempo-Nummer «We Are the People» haben die australischen Freibeuter intakte Chancen auf den Lagerfeuerhit 2009. Tolle sonnengetränkte Synthie-Popsongs wie von einem anderen Stern. Ein gasförmiger Killer!

Die Qual der Wahl… Natürlich hätten auch andere eine Platzierung in diesen CDs des Jahres verdient gehabt. Vor allem in den Bereichen Hard & Heavy (Wolfmother, Alice in Chains, Them Crooked Vultures, Baroness, The Dead Weather etc.), Indie (The Heavy, Biffy Clyro, Phoenix, Hockey, Thrice, Dredg, Florence & the Machine etc.), New Wave (The XX, White Lies, Glasvegas etc.), Electronica (DJ T, Simian Mobile Disco, Das Pop, Passion Pit etc.) und Pop/Rock (Bruce Springsteen, Antony & the Johnsons, The Temper Trap, Soap & Skin etc.) gab es zahlreiche heisse Anwärter auf die 10 begehrten Plätze an der Sonne. Und natürlich gab es auch dieses Jahr grosse Hypes, die ich nicht ganz (oder überhaupt nicht) nachvollziehen konnte (z.B. Grizzly Bear, Animal Collective oder Mumford & Sons) und die mich entsprechend kalt liessen.

2010 rockt.

20. January 2010 Von: Sandro Kategorie: Hören, Sehen 4 Kommentare →

Im neuen Konzertjahr gibt es mächtig was auf die Ohren. Die Clubs, Hallen und Stadien in der Schweiz werden beben, schliesslich haben sich die Grossen des Rocks im Multipack angekündigt. Vor allem im Berner Wankdorf wird gleich drei Mal abgerockt!

Und ich darf mich stolzer Besitzer von Tickets für folgende Konzerte nennen:

Ja, und dann wären da noch die Big Four, d.h. Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax am Freitag, 18.6. in Jonschwil/SG. Ausserdem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass U2 mit ihrer 360°-Tour im August oder September in Dübendorf Halt machen sollen. Wobei sich hier die Frage stellt, ob die gigantische, für die ganz grossen Stadien der Welt entwickelte Show (siehe Video zu «I’ll go crazy if I don’t go crazy tonight») auf dem flachen Flughafengelände nicht bloss zur Pleite werden kann…

Also, wer rockt wo mit?

More candy 4 u.

11. November 2009 Von: Sandro Kategorie: Hören Noch keine Kommentare →

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Prince hat Mitte Oktober gleich mehrere Konzerte in Paris gespielt, unter anderem am 12. Oktober ein fast 3-stündiges im «La Cigale». Nach dem für mich doch eher enttäuschenden Doppelkonzert im Rahmen des Montreux Jazz Festivals am 18. Juli («nur» 4-köpfige Band ohne Bläser und Background-Sängerinnen, Setlist aus Balladen und eher unbekanntem Material bestehend, kurze Spieldauer) zeigte der Meister dieses Mal, dass er es immer noch drauf hat, und wie!

Zu den vielen Highlights zählten sicherlich seine Hommage an Michael Jackson (I Want You Back) sowie zahlreiche Funk-Klassiker, unter anderem von Sly & The Family Stone (Stand, Turn Me Loose, Sing A Simple Song), Billy Cobham (Stratus), Mothers Finest (Baby Love) und The Time (Girl, The Bird, Jungle Love). Wunderbar zu erleben, wie Prince das (gut hörbar mitsingende) Publikum zur Extase treibt. So geht das, too funky!

Für alle die nicht dabei sein konnten gibt es hier den Download des ganzen Konzerts (CD1, CD2 & Artwork).

Die Setlist:

  • Ol’ Skool Company (incl. Purple Rain Intro)
  • Crimson & Clover
  • Stand
  • Turn Me Loose
  • I Want You Back
  • Dance 4 Me
  • No More Candy 4 U
  • Shhh
  • Stratus
  • Girl
  • Forever In My Life (incl. Single Ladies)
  • Baby Love
  • Peach
  • Sexy Dancer (incl. Le Freak)
  • I Want To Be Free
  • Sing A Simple Song
  • Thank You (Fallentime Be Mice Elf Again)
  • Be Happy
  • 7
  • Come Together
  • Dreamer
  • The Bird
  • Jungle Love
  • The Glamorous Life
  • 3121
  • Purple Rain

Prince am Montreux Jazz Festival.

04. July 2009 Von: Sandro Kategorie: Hören, Sehen 1 Kommentar →

prince-am-montreux-jazz-festival

The king is dead, but the prince is coming to Montreux! Michael Jackson, The King of Pop, ist nicht mehr. Doch Prince, der letzte verbleibende männliche Superstar der 80-iger Jahre, ist zum Glück immer noch sehr lebendig. Nie ganz so hoch aufgestiegen (und gefallen) wie sein damaliger Rivale, aber ähnlich verehrt von seinen Fans, konnte Prince zwar seit Jahren nie mehr an seine grössten (kommerziellen) Erfolge anknüpfen. Live ist der kleine Mann aus Minneapolis aber auch weiterhin eine Wucht.

Das lässt sich in Kürze am Montreux Jazz Festival wieder erleben: Prince wird am Samstag, 18. Juli 2009 den Schlussabend mit zwei Konzerten im Auditorium Stravinski bestreiten! Und hoffentlich später auch noch das Jazz Café beehren… May u live 2 c the dawn!

«The Boss» im Wankdorf.

01. July 2009 Von: Sandro Kategorie: Hören, Sehen 2 Kommentare →

Bild: KEYSTONE/AP

Als Bruce Springsteen sein Konzert der «Working on a Dream»-Tour im Berner Stade de Suisse ankündigte, musste ich einfach zugreifen und ein Ticket besorgen. Schliesslich hatte ich den amerikanischen Handwerker des Rock – den ich vor allem in den 80-iger Jahren mochte – noch nie live gesehen.

Und ich wurde nicht enttäuscht: Mit einem Auftakt nach Mass (Nils Lofgren von der E-Street-Band stimmte auf der Handorgel zuerst «s’Vogellisi» an) startete Bruce selbst mit «Badlands» den knapp dreistündigen Hitreigen. Er bot eine gelungene Mischung aus neuen und alten Songs (siehe Setlist), die keine Wünsche offen liessen. Denn diese wurden während einer Wunschrunde, in der Springsteen ein paar Plakate mit Songwünschen drauf aus der Menge konfiszierte, gleich mehrfach erfüllt.

Zwischendurch hielt der Boss mit seiner unvergleichlichen Ausstrahlung eine glühende Ansprache («We don’t just wanna rock the house. We wanna build a house of love, hope and happiness»), die wohl auch manch abgebrühten Gospel-Prediger vor Neid hätte erblassen lassen. Ihm nimmt man es ab, eine solch ehrliche, intime und gleichzeitig energiegeladene, schweisstreibende Show durfte ich noch selten erleben. Danke Bruce, und jederzeit gerne wieder!

EODM im Dachstock.

21. June 2009 Von: Sandro Kategorie: Hören, Sehen Noch keine Kommentare →


Als die Eagles of Death Metal, angeführt von Jesse «Boots Electric» Hughes, spät am Freitag Abend in der Reithalle die Bühne enterten, wurde schnell klar, dass diese Jungs keine schlechten Neuigkeiten für das schnauzbärtige Berner Publikum hatten, sondern jede Menge gute Laune, sexy Posen und Peace, Love & Death Metal.

Schon beim Opener «I Only Want You» hatte Frontsau Jesse sein Publikum fest im Griff und sorgte mit einer Mischung aus Ausdruckstanz und Sonnenbrillen-Posing dafür, dass sich die T-Shirts im proppenvollen und heissen Dachstock rasch mit Schweiß vollsogen.

Den coolsten Schnauzer trug natürlich Jesse selbst, und mit diesem führte er seine Mitmusiker – leider ohne Josh Homme, dafür mit QOTSA-Schlagzeuger Joey Castillo – durch eine Setlist, die Songs vom letzten Album «Heart on» (Secret Plans, Wannabe In L.A. etc.) aber auch viele ältere Stücke (Cherry Cola, So Easy etc.) enthielt. Gut gelaunt tigerte er über die Bühne, machte seine Späße mit der Menge und posierte mit einer Collage, die er von einem Fan geschenkt bekam. Das beeindruckte – ebenso wie die tight gespielte Version von «I Want You So Hard (Boy’s Bad News)», nach der die Musiker das erste Mal die Bühne verließen.

Doch die Besucher lockten den Frontmann rasch zurück auf die Bühne. Der Rest der Band musste noch zuwarten, während Jesse eine Soloversion des Stones-Klassikers «Brown Sugar» zum Besten gab. Weil das simple, aber eben ungemein knackige Schlagzeugspiel und der Rumpel-Bass fehlten, forderte das Publikum auch die Band zurück auf die Bretter, um zum finalen «Speaking In Tongues» kollektiv Beine, Arme, Hintern und Hüften in Exstase zu wiegen.

So konnte ich erschöpft, aber glücklich nach Hause gehen mit der Gewissheit, das bekommen zu haben, was ich wollte: knapp 2 Stunden voller sinnentleertem, geilem Rock-Scheiß.